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"Ich glaube, dass wir nicht negativ in die Zukunft blicken sollten, jedoch glaub ich auch, dass man nicht zu viele Menschen dafür ergreifen kann, um wirklich etwas zu bewegen.“

Schüler/in der 8.Jahrgangsstufe des KVC-Gymnasiums

Wie klappt die klimafreundliche Landwirtschaft? Schüler*innen beraten den Voglhof in Dietersburg

Eine kleine Manufaktur mit Solaranlagen, Pfandgläsern, Automaten für nachhaltige Produkte, Videos über deren Herstellung und einem spannenden Workshopangebot für Interessierte – das ist die Vision der Schüler*innen des P-Seminars Biologie des Karl-von-Closen Gymnasiums in Eggenfelden. Ende Mai entwickelten sie diese Ideen gemeinsam mit den Forscherinnen der Universität Innsbruck, Nina Liebhaber und Melanie Frick.

Die Herstellung von Lebensmitteln ist ein wichtiger Bereich, wenn es darum geht, klimafreundlicher zu werden. Etwa ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen wird der Lebensmittelproduktion zugeschrieben. Karin und Tobi Neumaier bemühen sich auf ihrem idyllisch gelegenen Voglhof bereits seit etlichen Jahren um möglichst nachhaltige Produktion. Somit war der Hof der ideale Ort, um etablierte Klimaschutzmaßnahmen kennenzulernen. Im Sinne des Forschungsprojekts k.i.d.Z.21_aCtiOn2 stellten sich die Forscherinnen und Schüler*innen zudem die schwierige Aufgabe, weitere Potentiale zu identifizieren, wie noch klimafreundlicher gewirtschaftet werden könnte. Keine einfache Aufgabe – da waren sich alle einig. Dennoch entwickelten die Schüler*innen kreative, effektive und umsetzbare Vorschläge zur weiteren Reduktion von Emissionen.

Statt sich in der Schule theoretisch mit Nachhaltigkeit zu beschäftigten, verlegten die Schüler*innen des P-Seminars ihren Unterricht mit ihrem Biologielehrer, Matthias Röckl, an den Voglhof, wo sie von Karin und Tobi Neumaier herzlich empfangen wurden. Die beiden führen den kleinen Hof mit Leib und Seele und berichteten aus ihrem Alltag in ihrer kleinen Manufaktur. „Urgeschmack“, Regionalität und Saisonalität – unter diesem Motto stellen sie Fruchtaufstriche, Sauerkonserven und saisonale Köstlichkeiten her. Auf einem Hofrundgang erkundeten die Schüler*innen die Weiden der kleinen Wasserbüffelherde, deren Stall sowie den schönen Obstgarten und die vielen Gemüsebeete. Karin Neumaier weihte die Besucher*innen dabei auch in einige ihrer Gartentipps und Experimente ein, etwa, dass Tomaten und Zwiebel zusammen gepflanzt werden sollten und was man aus der kaum mehr bekannten Mispel herstellen kann. In die Küche durften die Schüler*innen später auch selbst aktiv werden und stellten kleine Gläser mit fermentierten Radieschen her. Deren Blätter verarbeitete die Küchenchefin in köstliches Radieschenblätterpesto, mit dem sich alle Fleißigen stärken durften. Die Schüler*innen beschäftigen sich auch in ihrem P-Seminar bei Matthias Röckl mit der Herstellung und Vermarktung von Lebensmitteln und waren entsprechend begeistert von dieser Praxiserfahrung.

Auf der Suche nach nachhaltigen Potentialen durften die Jugendlichen alles genau unter die Lupe nehmen. Nach dem Prinzip des forschenden Lernens wählten die Schüler*innen in der Forschungsbildungskooperation k.i.d.Z.21_aCtiOn2 Themen, die sie selbst interessierten und bei denen sie die Reduktion von Emissionen für möglich erachteten. Gemeinsam mit den Forscherinnen hinterfragten sie kritisch den Status Quo und erarbeiteten anschließend konkrete und effektive Lösungsvorschläge. Schließlich entschieden sich die jungen Erwachsenen für folgende Themen:

  • Wie kann ein funktionierendes Pfandrückgabesystem für die verwendeten Einweckgläser umgesetzt werden?
  • (Wie) Kann der Hof mit neuen Solarpanelen klimaneutral werden?
  • Wie könnte durch einen zentralen kontaktlosen Verkaufsautomaten (Regiomaten) die Anfahrt der Kund*innen verkürzt und die Nachfrage gesteigert werden?
  • Wie könnte ein Imagefilm über den Voglhof von Nutzen sein und was müsste darin zu sehen sein?
  • Und welche Workshops könnten für Kinder und Jugendliche angeboten werden, um sie mit Lebensmitteln und deren Produktion vertraut zu machen?

Während der drei Projekttage galt es, die Ideen und Lösungsvorschläge so konkret wie möglich auszuarbeiten. Kosten und Nutzen für Karin und Tobi Neumaier wurden analysiert. Die möglichst detailgenauen Vorschläge sollten für die beiden leicht weiter zu verfolgen sein. Zur Unterstützung der Erarbeitung von möglichen Maßnahmen sowie deren Finanzierungsoptionen war außerdem Martin Fleischmann vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Landau a. d. Isar-Pfarrkirchen vor Ort und stand den Schüler*innen bei Fragen zur Seite. 

Zum Abschluss der Projekttage präsentierten die Schüler*innen ihre Überlegungen und Ergebnisse dem Voglhof-Team. Anwesend waren außerdem Schulleiterin des Karl-von-Closen Gymnasiums, Frau Raith, sowie Ludwig Reil, Vorsitzender vom Direktvermarkter Verband Rottal-Inn. Bemerkenswert waren die Kreativität und Genauigkeit, die in den Ideen der Schüler*innen steckten. Dabei achteten sie besonders darauf, dass die klimafreundlichen Maßnahmen realistisch und möglichst direkt umsetzbar waren. Nicht nur Karin und Tobi Neumaier waren begeistert von den detaillierten und äußerst hilfreichen Ideen und haben zugesichert, einige der neuen Vorschläge möglichst bald umzusetzen. Auch die Jugendlichen haben viel mitgenommen: Vor allem der nachhaltige Umgang mit Natur und Tieren hat sie überzeugt, und einige von ihnen wollen sich dieses Jahr auch im eigenen Garten und der eigenen Küche austoben. Längst nicht selbstverständlich ist es auch für die Klimabildungsforscherinnen so direkt forschen und klimafreundliche Veränderungen bewirken zu können. So konnten im Sinne der transdisziplinären Zusammenarbeit am Ende alle Projektbeteiligten viel lernen. Wir wünschen dem Voglhof alles Gute für die Zukunft, und für alle, die ihn noch nicht kennen: schaut mal vorbei, in Dietersburg oder auf Instagram!