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„Der Mehrwert für uns ist [...] dass Wissenschaftler die Möglichkeit erhalten, Fragestellungen zum Klimawandel in die reale Umwelt der Schüler übertragen zu können und Inhalte als unmittelbar relevant und bedeutend dargestellt werden können. “

Beteiligter Experte

Leben und Lernen in der Weltgemeinschaft: 3. Tiroler Entwicklungstag im Zeichen eines Planetaren Humanismus und einer Global Citizenship Education

Passend zur Global Awareness Week (18.11 – 26.11.2017), bei welcher die Auseinandersetzung mit globalen Fragestellungen im Zentrum steht, fand am 21.11.2017 im Landhaus Tirol der 3. Tiroler Entwicklungstag statt. Mit diesem Format möchte das Land Tirol Raum für Diskussionen rund um globale Herausforderungen, wie beispielsweise dem Klimawandel, schaffen. In diesem Jahr widmete sich der Entwicklungstag dem vierten Sustainable Development Goal der Agenda 2030 der Vereinten Nationen: „Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung sichern und die Möglichkeit für lebenslanges Lernen für alle fördern“. Die Durchführung erfolgte gemeinsam mit Südwind im Rahmen des internationalen Projektes „Global Schools“ unter dem Motto „Leben und Lernen in der Weltgemeinschaft“. Dabei bot ein „Markt der Möglichkeiten“ die Gelegenheit, sich über unterschiedliche Initiativen und Organisationen zu informieren. Im Zuge dessen hat auch das Team der Geographie Innsbruck das k.i.d.Z.21-Austria vorgestellt und über die im September 2018 stattfindende LehrerInnenfortbildung informiert. Darüber hinaus erhielten die TeilnehmerInnen bei elf verschiedenen Erzählcafés zum Globalen Lernen wertvolle Einblicke in Best Practice Projekte. Somit konnten Erfahrungen ausgetauscht werden, wie beispielsweise Globales Lernen in den Schulalltag integriert werden kann.

Weitere entscheidende Impulse setzte der Keynote Vortrag „Planetarischen Humanismus. Global Citizenship – neuer Denkrahmen für globale Herausforderungen und die Herausforderung des Globalen“ des Friedenspädagogen Prof. Dr. Werner Wintersteiner. Dieser ist u.a. Gründer des Zentrums für Friedensforschung und Friedenspädagogik der Alpe-Adria Universität Klagenfurt und Leiter des Universitätslehrganges „Global Citizenship Education“. Im Vortrag skizzierte er dabei seine Vorstellungen eines Planetaren Humanismus, bei welchem es nicht nur um Solidarität geht, sondern auch um „die Teilhabe am Abenteuer der Metamorphose der Menschheit“, die beispielsweise aufgrund der globalen Umweltprobleme zwingend geboten ist. Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen einer solchen Verwandlung bzw. sozial-ökologischen Transformation ist die Aufgabe unserer imperialen Lebensweise, welche sich auf eine Wirtschaftsweise stützt, die auf Profit und Wachstum ausgerichtet ist sowie mit einer Ausbeutung von Mensch und Natur einhergeht. Allerdings ist eine Abkehr davon kein Leichtes, da sie als natürlich betrachtet wird – die imperiale Lebensweise ist längst Teil unserer Identität. Eine entsprechende Verhaltensänderung scheitert am Festhalten an den individuellen, materiellen Interessen und der Angst privilegierter Menschen einen Teil ihrer elitären Stellung für eine gerechtere Welt aufzugeben. Deshalb fordert Prof. Wintersteiner ein verändertes Selbstbild und eine andere Form der Selbstachtung. Als einen weiteren limitierenden Faktor nennt er die mangelnde Bereitschaft, Wissen anzunehmen. So fehlt es nicht an Befunden, dass der Planet Erde an seine Grenzen stößt. Wir aber wollen nur das sehen und wissen, was wir wollen oder ertragen können. Außerdem wird bei der Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen selten versucht, ein Gesamtbild zu zeigen. Vielmehr werden nur einzelne Themen behandelt, weshalb relevante Zusammenhänge nicht wahrgenommen werden. Dabei erachtet Prof. Wintersteiner es allerdings als erforderlich, ökonomische, ökologische sowie soziale Themen zu verbinden. Dies geht einher mit einer tiefgreifenden Kritik an der vorherrschenden Art und Weise des Politik machens, welche auf eine enge, nationalstaatliche Denkweise ausgerichtet ist. Deshalb fordert ein Planetarer Humanismus einen kosmopolitischen, grenzüberschreitenden Denk- und Handlungsrahmen ein. Vor diesen Hintergründen kommt dem Globalen Lernen (Global Citizenship Education) eine zentrale Bedeutung zu. Dabei geht es u.a. um die Schaffung von mehr Bewusstsein, sich als WeltbürgerIn zu begreifen. Bildung wird in diesem Kontext als langfristiger Prozess verstanden, bei welchem selbstbestimmtes Lernen die gesamte Persönlichkeit erfasst. Zudem möchte Global Citizenship Education nach Wegen für (mehr) politische Partizipation suchen und neue Handlungsspielräume eröffnen.

In diesem Sinne fordert Werner Wintersteiner, ähnlich Marget Rasfeld bei der ÖKOLOG Tagung, neue Wege, vor allem, aber nicht nur in der Bildung zu denken und auch zu gehen. Nur so könne das Abenteuer der Metamorphose der Menschheit gelingen. Der Friendspädagoge bezieht sich dabei auf die Worte von Hans-Peter Dürr: Wir mögen von einer praktischen Realisierung solcher Ideen noch weit entfernt sein. Wenn jedoch – wie immer wieder gesagt wird – die Utopien von gestern die Realitäten von heute sind, so gilt auch gleichermaßen, daß den Realitäten von morgen Utopien von heute vorausgehen müssen.

Die anschließenden Fragen und Diskussionen verdeutlichen, wie sehr die Argumentation und Analyse des Vortragenden die TeilnehmerInnen zum Nachdenken anregten.

Weitere Informationen sowie eine Nachlese zum 3. Tiroler Entwicklungstag finden Sie hier.